GESCHICHTE
VERUM, Stiftung für Verhalten und Umwelt, wurde auf Anregung einer Gruppe deutscher Universitätsprofessoren im Dezember 1992 vom Verband der Cigarettenindustrie (VdC) als öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts errichtet. Die Stiftungsurkunde wurde vom Bayerische Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst am 21.12.92 ausgestellt. Stiftungszweck und Arbeitsweise der Stiftung sind in der Satzung festgelegt. Stiftungszweck ist die Förderung von wissenschaftlichen Untersuchungen über VER.haltens- und UM.welteinflüsse auf die menschliche Gesundheit, um die Voraussetzungen für Prävention, Diagnose und Therapie einer Reihe chronischer degenerativer Erkrankungen zu schaffen. Fördermittel sind die Erträge aus dem Stiftungskapital, heute Euro 4,1 Mio., sowie Zuwendungen.
Folgende Persönlichkeiten gehör(t)en dem Stiftungsrat an:
Prof. Dr. Franz Adlkofer, Berlin (2002- August 2011); Prof. Dr. h.c. Roland Berger, München (1995-2010); Dr.-Ing. E.h. Heinz Dürr, Berlin (seit 1997); Prof. Dr. Christian Haass, München (seit 2010); Prof. Dr. Joseph Kaiser (1992-1998); Prof. Dr. Kurt Kochsiek, Würzburg (seit 1992); Prof. Dr. Hermann Lübbe (1996-2001); Prof. Dr. Eckhard Mandelkow (seit Juli 2010); Prof. Dr. Gerhard Multhaup, Berlin (seit 2010); Prof. Dr. Paul Müller (1998-2003); Prof. Dr. Gotthard Schettler (1992-1996); Prof. Dr. Hans-Werner Schlipköter, Düsseldorf (1996-2006); Prof. Dr. Rupert Scholz, Berlin (1992-2009); Prof. Dr. Michael Sendtner, Würzburg (seit Juli 2010); Prof. Dr. Klaus Thurau, München (seit 1992); Baldur Wagner, Rheinbach (1999-2009)
Folgende Wissenschaftler gehörten dem Wissenschaftlichen Beirat an:
Prof. Dr. Hermann Dertinger (1998-2003); Prof. Dr. Wilhelm van Eimeren (1994-2004); Prof. Dr. Christian Haass (1999-2004); Prof. Dr. Peter Hofschneider (1993-2003); Prof. Dr. Joachim Kalden (1995-2004); Prof. Dr. Helmut Kewitz (1993-1998); Prof. Dr. Gerhard Lehnert (1993-2003); Prof. Dr. Udo Löhrs (1993-2003); Prof. Dr. Manfred Rajewsky (1993-2003); Prof. Dr. Werner Seeger (1995-2004); Prof. Dr. Dietrich Seidel (1993-2003); Prof. Dr. Johannes Siegrist (1995-2005); Prof. Dr. Wolfgang Ulmer (1993-2003)
Seit ihrer Gründung 1992 hat die Stiftung für mehr als 100 Forschungsvorhaben, 40 wissenschaftliche Veranstaltungen und vier Habilitationen etwa Euro 15 Mio. aufgebracht. Über eine Förderung von Forschungsanträgen entscheidet der Stiftungsrat, wobei bis Ende 2003 Voraussetzung war, dass eine Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats vorlag. Der Wissenschaftliche Beirat bediente sich dabei externer Gutachter. Nach Auflösung des Beirats werden bei Bedarf externe Gutachter hinzugezogen. Ob eine Förderempfehlung ausgesprochen wird, ist abhängig von der wissenschaftlichen Wertigkeit des Forschungsantrags und von seinem Bezug zum Forschungsschwerpunkt der Stiftung.
In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre wurde erkennbar, dass die Mittel der Stiftung nicht ausreichten, um die Förderung in der Breite wie in der Satzung festgelegt, auf Dauer aufrecht zu erhalten. Hinzu kamen erste Hinweise des Stifters, seine jährlichen Zuwendungen einzustellen. Der Stiftungsrat beschloss als Folge dieser Entwicklung, Schwerpunktthemen für das Förderprogramm zu wählen und die Stiftung langfristig operativ auszurichten. Dies geschah endgültig im November 2000 als folgende Forschungsschwerpunkte festgelegt wurden:
- Auswirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) unterschiedlicher Herkunft auf die menschliche Gesundheit
- Wechselbeziehung zwischen exogenen und endogenen Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer- und anderer neurodegenerativer Erkrankungen
Gleichzeitig wurde die Geschäftsführung beauftragt, möglichst internationale Forschungskonsortien mit anerkannten Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Einrichtungen interdisziplinär zusammenstellen, um mit diesen die obigen Themen eingehend zu bearbeiten. Zur teilweisen Finanzierung der Forschungsvorhaben sollten Anträge an die EU-Kommission im Rahmen ihrer europäischen Forschungsförderprogramme gestellt werden. In der Zwischenzeit stellte der Stifter entsprechend seiner Ankündigung seine jährlichen Zuwendungen völlig ein. Auf der anderen Seite war die Stiftung dank des wissenschaftlichen Ansehens der von ihr gegründeten Forschungskonsortien sehr erfolgreich beim Einreichen von Forschungsanträgen bei der EU-Kommission:
REFLEX: Das im Jahre 2000 begonnene Forschungsvorhaben "Risk Evaluation of Potential Environmental Hazards from Low Energy Electromagnetic Field Exposure Using Sensitive in vitro Methods", an dem 12 Arbeitsgruppen aus sieben europäischen Ländern mitwirken, wurde im Mai 2004 abgeschlossen. Die erhaltenen Forschungsergebnisse stehen auch heute noch im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion.
DIADEM: Das im Jahre 2001 begonnene und im November 2004 beendete Forschungsvorhaben "Early Diagnosis of Alzheimer's Disease and Related Dementia", an dem 19 Arbeitsgruppen aus neun europäischen Ländern und den USA beteiligt waren, beschäftigte sich mit einer Erkrankung, die wegen der schrecklichen Auswirkungen für die Betroffenen und ihre Angehörigen und wegen der enormen Kosten für das Gesundheitswesen gegenwärtig eines der größten Gesundheitsprobleme darstellt, mit dem sich die alternden westlichen Gesellschaften auseinandersetzen muss.
APOPIS: Bei diesem Forschungsvorhaben, das von Januar 2004 bis Dezember 2006 durchgeführt wurde, handelt es sich um eine Ausweitung des DIADEM-Projektes. Unter dem Titel "Abnormal Proteins in the Pathogenesis of Degenerative Disorders" wurde in Zusammenarbeit mit 38 Forschergruppen aus 12 europäischen Ländern der Entstehungsmechanismus von Ablagerungen im menschlichen Gehirn untersucht, die als Ursache verschiedener Hirnerkrankungen wie z.B. Alzheimer, Parkinson, Huntington und anderen angesehen werden. Das Projekt brachte wesentliche Fortschritte im Verständnis der verschiedenen neurodegenerativen Mechanismen. Die Forschungsergebnisse sind von den einzelnen Teilnehmern in über 100 Publikationen in Fachzeitschriften dargestellt worden.
MEMOSAD: Inzwischen wurde seit Januar 2008 ein weiteres von der EU gefördertes Projekt "Memory loss in Alzheimer disease: underlying mechanisms and therapeutic targets" durchgeführt. Dieses Projekt dauert wiederum drei Jahre und beschäftigt sich mit der lange Zeit vernachlässigten Frage, ob Alzheimer tatsächlich durch eine Ansammlung von Abeta oder eine Ansammlung von Tau verursacht wird. Es ist die Aufgabe der acht beteiligten Forschergruppen und einer Biotech-Firma, die genaue Interaktion von Abeta und Tau zu untersuchen und wichtiger noch, wie diese Proteine die Funktion der Synapsen, den Gedächtnisverlust und schließlich das Überleben der Neuronen beeinflussen.


